3 Gesprächsebenen
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2. Gesprächsebene 1: Feedback erweiterndes Praxisgespräch
(Niggli, 2005, S. 73ff.)
Allgemein
Im Feedback erweiternden Praxisgespräch bezieht sich der Coach auf praktisches Tun, auf die Beobachtung, die im vorherigen Abschnitt erarbeitet wurde. Die Kriterien wurden dabei von Beobachter:in und Beobachtete:r vorher vereinbart, allerdings ist es schwierig, in einer Situation alle Kriterien zu berücksichtigen. Es geht weiter um einen sichtbaren Handlungsvollzug, bei dem «Können» als Vorstufe des praktischen Tuns manifestiert wird. Die Rückmeldung erfolgt dabei auf das konkret wahrgenommene Unterrichtsverhalten. Was war erfolgreich, was nicht, was hätte anders/lernwirksamer gemacht werden können? Dabei sollte der Coach auf mehr positive Rückmeldungen als solche zur Optimierung achten.
Kontextbedingungen
Es gibt verschiedene Kontextbedingungen für das Gespräch:
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Feedback als Entwicklungsanstoss |
relevante Verhaltensweisen des Coachees sollen verändert werden |
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Feedback als Diagnose |
offene Beobachtung oder definierte Standards, woraus Einzelaspekte definiert werden, die trainiert werden sollen |
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Feedback als fürsorgliche Unterstützung |
bestätigende Aussagen, die wichtig sind, um sich realistisch selbst einschätzen zu können und damit Coachees negative Vorkommnisse aus dem Klassenzimmer nicht auf sich selbst beziehen => Erweiterung des Blickfeldes |
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Feedback als Beziehungsgestand im Kollegium oder im Mentoring |
z.B. durch gegenseitige Hospitationen und Feedback im Team |
=> Im Alltag überlagern diese sich allerdings oftmals
Funktionen und Lernzyklus
Das Feedback hat zwei Funktionen: Einerseits werden abgelaufene Handlungen evaluiert, andererseits gibt es Motivation für Veränderungen.
Der Lernzyklus beim Feedback erweiternden Gespräch gestaltet sich folgendermassen:
- Zielvereinbarung: zu beobachtete Punkte werden festgelegt
- Beobachten/Beschreiben: siehe Abschnitt Beobachtung
- Feedback: im Rahmen des Feedback erweiternden Praxisgesprächs
- Bewerten der Informationen: Interpretation durch die beobachtete Person
- Transformieren: beobachtete Person achtet darauf, die als erfolgreich erachteten Massnahmen zu stabilisieren
- Neue Ziele werden vereinbart und es geht von vorne los

Abbildung 2: Abgeänderte Darstellung des Lernzyklus in Anlehnung an Niggli, 2005, S.78
Verhalten
Worauf der Coach sowie die Feedback empfangende Person (Coachee) achten sollen, wird in folgender Tabelle dargestellt. Schau dir die Tabelle an und ergänze die Spalten durch eigene Kriterien, die dir dabei wichtig erscheinen.
Beispielhaftes Gesprächstranskript
Sieh dir nun in einem nächsten Schritt folgendes Transkript eines Gesprächs an und mach dir dazu Notizen:
- Welche Punkte haben Coach und Coachee als Gebende und Empfangende beachtet, welche nicht?
- Was hätte anders gestaltet werden können?
Gesprächstranskript (in Anlehnung an Niggli, 2005, S. 85-87):
Das Gespräch fokussiert die Kompetenz «Kognitive Aktivierung» und die damit verbundene Zielsetzung, Aufgaben mit einem hohen Lebensweltbezug zu stellen. Folgende Kriterien wurden für die Beobachtung vereinbart:
- Aufgaben auswählen, die der Alltags- bzw. Erfahrungswelt der Schüler:innen entsprechen
- Die Aufgaben im Unterricht auf eine Art und Weise einsetzen, welche den Lebensweltbezug für die Schüler:innen authentischer macht
- Die Alltags- bzw. Erfahrungswelt der Schüler:innen bei der Aufgabenbesprechung miteinbeziehen
M: Ich beziehe mich bei unserer Besprechung auf die Englischlektion von gestern, für die wir folgendes Ziel vereinbart haben: «Aufgaben mit einem hohen Lebensweltbezug zu stellen». (liest nochmals die vereinbarten Ziele vor). Dabei fand ich es sehr wirkungsvoll, dass du den Schülerinnen und Schülern jeweils mitgeteilt hast, inwiefern du die in der Aufgabe dargestellte Situation schon selbst erlebt hast oder dass du gemutmasst hast, inwiefern die Schülerinnen und Schüler die Situation schon in ihrem Alltag erlebt haben könnten. Beispielsweise hast du bei der Aufgabe, bei der die Schülerinnen und Schüler englisches Vokabular im Flughafenbereich lernen mussten, erwähnt, wo du diesen Wörtern konkret schon am Flughafen begegnet bist. Die Schülerinnen und Schüler hätten aber vermutlich besser lernen können, wenn du sie direkt selbst gefragt hättest, ob sie auch schon geflogen sind und wo sie diese Wörter angetroffen haben, statt dass du Vermutungen anstellst, die womöglich gar nicht zutreffen. Zudem ist mir auch aufgefallen, dass einige der Aufgaben einen eher geringen Bezug zum Alltag der Schülerinnen und Schüler hatten. Bei den Aufgaben zu den Modalverben gab es Sätze zum Tragen von Uniformen, zum Verfassen von Bewerbungsschreiben oder zum Absolvieren einer Autoprüfung. Diese Beispiele haben nicht viel mit der Lebenswelt von Kindern im Alter von elf bis zwölf Jahren zu tun. Auch wäre es vermutlich ansprechender für die Kinder, wenn solche Aufgaben mit passenden Bildern hinterlegt sind. Beispielsweise könnte eine Aufgabe so aussehen, dass die Schülerinnen und Schüler ein Bild, bei dem ein Kreditkarte durchgestrichen ist, mit dem Satz «pay in cash» verbinden und dabei das passende Modalverb wählen müssen. Was denkst du zu meiner Rückmeldung? Habe ich dir für dich wichtige Effekte rückgemeldet?
S: Ja, ich stimme dem zu. Ich denke, dass ich selbst zwar authentische und konkrete Beispiele in Bezug auf meinen Alltag genannt habe, aber ich habe es tatsächlich vernachlässigt, die Schülerinnen und Schüler stärker mit einzubeziehen. Auch mir ist nämlich aufgefallen, dass die Schülerinnen und Schüler motiviert sind, wenn sie selbst über ihren Alltag und ihre Erfahrungen berichten können. Zudem habe ich auch zu wenig darauf geachtet, Aufgaben zu wählen, die selbst schon einen hohen Lebensweltbezug für Kinder im Alter von ca. elf Jahren haben, weil ich zu sehr darauf fokussiert war, mir zu überlegen, inwiefern ich die Aufgaben den Schülerinnen und Schülern im Unterricht näherbringen kann.
M: Sind das also die beiden Punkte, die du mitnimmst?
S: Ja, das stimmt für mich so.
M: Gut. Was würdest du nun also anders machen, wenn du in Zukunft eine Unterrichtseinheit planst mit der Zielsetzung, Aufgaben mit einem hohen Lebensweltbezug zu stellen?
S: Ich würde darauf achten, dass ich Aufgaben
auswähle, die einen konkreteren Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und
Schüler haben, also beispielsweise Aufgaben die Situationen auf dem Schulhof,
in den Ferien oder bei der Hausarbeit beschreiben. Und ich würde insbesondere
bei der Aufgabenbesprechung nachfragen, wie die Kinder die in der Aufgabe
beschriebene Situation schon in ihrem Alltag erlebt haben, anstatt nur über
meine eigenen Erfahrungen zu berichten. (Optimierungsvorschläge von S)