Die pädagogische Beziehung ist für Lehrpersonen die Basis, auf der Wissensvermittlung stattfinden kann. Die Arbeit im Lerncoaching ist zugleich auch Beziehungsarbeit, die zumeist auf der Gefühlsebene stattfindet (Nicolaisen, 2017b, S. 18). "Emotionen
und Gefühle bestimmen das menschliche Dasein" (Nicolaisen, 2017b, S. 21). Durch Emotionen beziehen sich Menschen aufeinander und verhalten sich zueinander. Bindung und Beziehung sind ohne Affekte, Emotionen und Gefühle undenkbar. Im Weiteren sind
Emotionen und Kognition untrennbar verbunden, wobei die emotionalen Anteile mächtiger und schneller wirken als die kognitiven (Nicolaisen, 2017b, S. 21). Durch Empathie und Konfrontation wird das eigene Lernen der Lernenden gestaltet und optimiert,
indem Selbst- und Fremdeinschätzung abgeglichen wird (Nicolaisen, 2017b, S. 18). Die eigene innere Haltung wirkt sich auf diese Kommunikation aus (Nicolaisen, 2017a, S. 13). Die Schwierigkeit besteht darin, dass Lehrpersonen und Coachende unterschiedliche
Rollen einnehmen und mit ihren Rollen unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen haben. Daher agieren Personen in der Rolle als Lehrperson und Personen in der Rolle als Lerncoach*in anders (Nicolaisen, 2017a, S. 19). Im Gegensatz zum Unterricht liegt die
Verantwortung für den eigenen Lernprozess gänzlich bei den Lernenden (Nicolaisen, 2017b, S. 59). Nur sie können wissen, welche lernbeeinflussende Faktoren sie hemmen oder vorantreiben, was sie verändern und erreichen möchten. Die Coachenden nehmen
diesbezüglich eine nichtwissende Haltung ein (Hardeland, 2013, S. 24). So ist Lerncoaching eine Lernprozessbegleitung, eine gemeinsame Suche nach möglichen Lösungswegen und Ressourcen. Die Arbeit ist somit kooperativ (Nicolaisen, 2017b, S. 59). Währenddessen
findet die Kommunikation auf Augenhöhe statt (Hardeland, 2013, S. 24). Die Coachenden geben nicht instruktiv Lösungen vor, sondern begleiten die Coachees im Dialog beim Finden nach Lösungen, um individuelle Lernprozesse zu unterstützen (Nicolaisen,
2017b, S. 58 f.). Lerncoaching geht von der Grundannahme aus, dass die Lernenden Lösungspotentiale und Ressourcen in sich tragen (Nicolaisen, 2017b, S. 12). Die Lernenden sind Experten für sich selbst (Hardeland, 2013, S. 24), gewinnen jedoch Selbsterkenntnis
dadurch, dass sie über ihr Lernen sprechen (Hardeland, 2013, S. 34). Schlussendlich entscheidet jedoch jede*r Lernende selbst, was umgesetzt wird.